Nah an der 6.000

Aktualisiert: Juli 2

Montag 14.06. — Samstag 19.06.


Am Montagmorgen sind Matthias und Elias wieder früh los in den Eisbruch.

Erst bis zum Depot am Fuße des Hanges wo wir Leitern, Seile und Material am Vortag gelagert hatten.

Von dort aus zogen die beiden die Leitern auf Skiern hinter sich her, den Hang hoch bis zum Eisbruch. Eine ganz schöne Plackerei.

Alles wurde aus dem ABC genauestens über Fernglas beobachtet, jeder Schritt und tritt verfolgt.

Sie schaffen es die zwei Leitern zu verbinden um auf eine Länge von knapp 9 Metern zu bringen.

Die lange Leiter wurde an die Kante am Eisbruch angestellt, welche es zu überwinden galt. Matthias kletterte, gesichert von Elias, die Leiter hoch um sie oben zu befestigen, doch Zack… sackte die Leiter gut einen Meter ab und verbog sich. Matthias, unser Kalb ;) Vielleicht ist aber auch die schlechte chinesische Qualität der Aluleiter schuld… Hört sich jetzt erstmal nicht so vertrauenserweckend an, aber jetzt stand die Leiter fest. Zum Glück nur eine kleine Schrecksekunde.

Viel weiter sind die zwei aber leider nicht gekommen, da sie aus der Ferne dicke Wolken auf sich zu kommen sahen und es bereits zu rumpeln begann. Kein gutes Zeichen im Hochgebirge, sprich Rückzug! Im Fernglas konnte man noch sehen wie sie zum Depot abgestiegen sind, dann verschwanden sie bereits in den Wolken.

Eine knappe Stunde später tauchen die zwei im Nebel an der Kuppe hinterm ABC wieder auf. Der restliche Tag verläuft ganz normal mit ausruhen essen, packen und Karten spielen, wobei Matthias neidlos als Match-Winner des Tages zu bezeichnen ist.

Am Dienstagmorgen, Gewitter hatten wir keins mehr, dafür weiterhin Schneefall und Nebel. Alle kriechen um 3 Uhr mit Stirnlampen aus ihren Zelten ziehen sich im Partyzelt an, frühstücken, machen sich startklar. Doch Matthias irgendwie nicht.. Ein mentales Tief... Zweifel an Allem… an sich, der Expedition, was mache ich überhaupt hier!? Was ist da los?

Ein längerer Disput folgt und Matthias bleibt im Camp.

Milan und Elias ziehen zu zweit auf Skiern los in den Eisbruch. Die Leiter sollte befestigt werden doch nach einigem hin und her stand die Entscheidung fest. Die Leiter muss umplatziert werden. An dieser Stelle ist es nicht möglich die Steilstufe sicher über die Leiter zu überwinden. Eine knapp 9 Meter lange Leiter in über 4.800 m zu versetzten ist auch kein Zuckerschlecken. Aber es muss gemacht werden. Elias sichert, Milan klettert durchs Eis und wühlt sich über Schneebrücken hinweg, welcher seinen Kopf übersteigt weiter die Stufe im Eisbruch hinauf. Irgendwann war ein Standplatz gebaut, die Leiter konnte nachgezogen werden.

Mit vereinten Kräften stand die Leiter am frühen Nachmittag an ihrem Bestimmungsort und war fixiert. Auch wenn es den ganzen Tag über bedeckt war, die Sonne nicht sichtbar, war es verdammt heiß. Wir zogen uns einen schweren Sonnenbrand zu, die Lippen sind am Abend stark geschwollen und erinnern an Pamela Anderson.

Am Mittwoch zwingt uns dann das Wetter zum hier bleiben, Ruhetag und packen für den Vorstoß ins Camp 1 am Donnerstag.

Matthias hat sein Oberstübchen wieder zurechtgerückt und freut sich am nächsten Tag aufzusteigen.

Donnerstag 4:00 Uhr. Start Aufstieg Camp 1 auf 5.300 m.

Vom Tempo her waren wir bis zum Eisbruch gar nicht so schlecht, doch nach der Leiter haben wir viel Zeit im oberen Teil des Eisbruchs verloren, mit dem umgehen von Spalten und zum Teil mehr als hüfthohem losen Schnee. Am Schluss noch ein kleiner Sprung über die letzte offene Spalte und wir hatten den Eisbruch geschafft.

Der weitere Aufstieg über den langen Hang war unproblematisch, jedoch raubten uns zunehmende Höhe und das Spuren im Tiefschnee kostbare Zeit und Kraft, sodass wir viel zu spät am Nachmittag die noch zum Teil mit vielem Neuschnee „geladenen“ Hänge der Nordwand passierten. Da hat sicher der eine oder andere Schutzengel auf uns aufgepasst — das darf uns kein zweites mal passieren…. Auch von der österreichischen Expedition gab es Kritik und Nachfrage was denn da los war. Also nächstes mal eher los!

Gegen 4:00 Uhr erreichten wir endlich in sengender Hitze das Camp 1 auf 5.300 m in einem kleinen Kessel, unsere zwei kleinen Hochlagerzelte waren schnell aufgebaut, das Schneeschmelzen begann und wir richteten uns ein.


Der Freitag, die erste Nacht auf 5.300 m war ok, hätte besser sein können aber auch schlechter…

Matthias und Milan bleiben am nächsten Morgen im Camp und brauchen ihre Zeit um mit der Höhe klar zu kommen.

Elias startete nach einem kurzem Frühstück gegen 8 auf eine Skitour Richtung Camp 2. Knapp 3 Stunden Aufstieg bis auf 5.900 m. Ein erster Aufschwung über einen knackigen Steilhang und weiter über einen flachen nicht enden wollenden Rücken. Der Wind war hier bereits deutlich kühler und bissiger… langsam aber sicher zogen dann Wolken auf und es wurde Zeit zur Umkehr. Es schloss sich eine erstklassige Firnabfahrt an bevor die Wolken die Sicht versperrten.

Für Ihn ein gutes Gefühl, dass die Luft „mitspielte“. Zurück im Camp will die Entspannung aber nicht so richtig eintreten.

Der Nachmittag wird zur Qual. 30 Grad im Zelt sind kein Spaß. Schwitzend nur in Unterhosen und kein Lüftchen, ekelhaft. Gegen halb 6 dann endlich die Erlösung. Die Sonne verschwand und wir mussten uns sofort warm anziehen, Daunenzeug raus! Zum Abendbrot gab es dann für jeden das worauf er Lust hatte, ob es Lachspesto mit Nudeln, Ungarntopf mit Rind und Nudeln oder Gemüse Jambalaya.

Die Startzeit für den kommenden Tag wurde ausgemacht und ab ging es in den warmen Deuter Schlafsack. Heute war auch der Geburtstag von Elias Mutter, der wir leider nur auf diesem Wege gratulieren können und nicht persönlich.. Also Happy Birthday und alles Gute aus dem Pamir!!!

Samstagfrüh war es dann Zeit für den Abstieg zurück ins ABC.

Da Milan zu Fuß unterwegs ist, und nicht auf Skiern wie die anderen beiden startet er um 4:30 Uhr um schon einmal etwas Strecke gut zu machen. Verfolgt wurde der Schein der Kopftaschenlampe von Matthias und Elias aus dem Camp 1, die zusammenräumen und sich um kurz vor 6 auf den Weg machen. Milan im Abstieg doch relativ schnell unterwegs, den zuvor mit roten Fähnchen markierten Weg und wartet am Eisbruch auf die andren. Start in sternenklarer Nacht, der Pik Lenin schimmert weiß vor sich hin mit 100.000 Sternen über sich und dann ein wunderschöner Sonnenaufgang. Der Gipfel des Pik Lenin färbt sich rötlich, langsam erschließt das Licht die weite Sicht über die umliegenden deutlich kleineren weißen Berge und das entfernte Alai-Tal. Diese Eindrücke, gehören zu den Gründen warum wir das hier alles auf uns nehmen.

Die Abfahrt auf Ski ist ein Pulverschneetraum, einfach nur geil.

Angeseilt am Beginn des Eisbruchs und die Ski auf dem Rücken sind wir zusammen die leicht knifflige Spaltenpassage abgestiegen.

Der restliche Rückweg ist mittlerweile schon reine Routine. Zurück im ABC gibt es dann das zweite Frühstück in voller Runde und endlich wieder Espresso! Waschen im Eisbach, in welchem ein Loch ins Eis geschlagen werden muss um ans Wasser zu kommen, Erholung, die Sonnenverbrannte Haut und die gezeichneten Gesichter zu cremen.


Ausblick auf Sonntag, Ruhetag und wir haben eine Einladung von der Österreichern aus dem Aksai-Camp zum Kaffee bekommen. Das unbeständige Wetter gut im Blick planen wir dann in den nächsten Tagen den Aufstieg und die Übernachtung im Camp 2 auf 6.100 m. Leider gibt es Probleme mit den Handyverträgen, der Kontakt nach „außen“ welcher vorher nur über Milans Handy halbwegs funktionierte ist nun auch nicht mehr gegeben. Wir versuchen unser Bestes uns wenigstens hier über den Blog zu melden und euch auf dem Laufenden zu halten. Philipp wird eine Halbtagswanderung Richtung Internet machen und Lisa unserer Kontaktperson in Deutschland Informationen zukommen lassen. Wir geben weiter alles :)


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