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Kann Tengri ???

Mittwoch 21.07. — Dienstag 27.07.

Hallo, wir melden uns wieder zurück aus dem ABC. Die letzen Tage, sprich seit Mittwoch dem 21.07., mussten wir viel warten und hier im BC bei nicht dem besten Wetter ausharren. Natürlich waren wir auf teilweise schlechtes Wetter eingestellt, aber es ist trotzdem nervig wenn man Bergsteigen will aber im Zelt hängt und bei viel (40 cm) Neuschnee auf eine Besserung der Lawinenlage warten muss.


Viel schlafen, rumhängen, Schneeballschlachten, Rommee spielen und neue Spiele wie Lama ausprobieren steht auf dem Tagesprogramm. Zu Beginn war es gruselig wie oft und wie viele Lawinen um uns herum abgehen und es fast minütlich donnert und rauscht. Wir warten also auf gepackten Koffern dass es endlich losgehen kann und die Lawinengefahr geringer wird. Es fühlt sich schon komisch an Ende Juli eine Schneeballschlacht zu machen und das für uns das Jahr 2021 eigentlich keinen Sommer hat.

Am Samstag den 24.07. ist es dann endlich soweit wir entscheiden uns um 14.00 Uhr ins ABC aufzubrechen.

Ali-Reza aus dem Iran, der ein paar Meter weiter sein Zelt aufgeschlagen hat und uns vor ein paar Tagen bei seiner Ankunft nach einer Schneeschaufel gefragt hat um seinen Zeltplatz zu räumen, fragt ob er sich an uns hängen könnte auf dem Weg zum ABC. Für uns natürlich kein Problem und so brechen wir zu fünft auf, erst über den aperen Gletscher über Geröll dann auf dem weitläufigen Gletscher übers Eis, den Khan Tengri fest im Blick in Richtung ABC.


Letzteres liegt quasi auf der chinesischen Grenze, wer sich also zum Pinkeln zu weit vom Camp entfernt ist in China.

Das ABC ist relativ klein und liegt auf einer schuttbedeckten Gletschermoräne kurz bevor es links weggeht auf den Semenovskigletscher rauf aufs Matterhorn des Tien Shan.


Unsere zwei Zelte sind schnell aufgebaut, das Abendessen zubereitet und wir gehen früh schlafen, da wir am nächsten Morgen um 03.00 Uhr starten wollen. Milan wird um kurz vor 01.00 Uhr von Matthias geweckt dass wir doch jetzt mal aufstehen da die Leute bei uns vor dem Zelt schon Schlange stehen.. Nach kurzer Verwirrung klärt sich das Matthias nur im Schlaf gesprochen hat. Zum Glück kennen sich die beiden ja ganz gut und wohnen auch schon seit einiger Zeit zusammen im Zelt. Da das nicht das erste mal war ist Milan schon ein wenig dran gewöhnt.

Eine gute Stunde später ist es dann aber wirklich Zeit zum Aufstehen, nach einem kurzen Frühstück und dem Abbauen von einem der Zelte geht es dann erst unangeseilt einem Linksbogen auf den Semenovskigletscher. Wieder eine sternenklare Nacht bei der man die Stirnlampe fast nicht benötigt, da der Mond so hell scheint. Die Aussicht bei Mondschein auf den gegenüberliegenden Pik Pobeda und die Berge in China ist einfach umwerfend. Im Schein der Stirnlampe, die dann doch von Vorteil ist um nicht eine der vielen Spalten zu übersehen, legen wir das Gletscherbesteck an. Weiter geht es über größere Wellen, einige Spalten und Eisabbrüche hinauf Richtung Camp 2. Rechts und links von uns sieht man die zahlreichen Lawinenkegel aus den letzten Tagen, die bis weit auf die Route reichen.






Daher unser zeitiger Start, um zu vermeiden unter solch eine zu geraten.

Nach einiger Zeit treffen wir dann eine Seilschaft zweier Polinnen mit denen wir uns im Vorausgehen abwechseln.

In unserer vorher ausgemachter Zeit sprich Schlag 08.00 Uhr erreichen wir das Camp 2 auf knapp 5.300 m. Matthias bleibt dort wegen der Höhenanpassung, da ihm ein paar Nächte in der größerer Höhe fehlen.

Das Zelt behält er auch, Elias und Milan gehen ohne Zelt weiter (Zelt 1 steht im ABC) mit der Hoffnung im Sattellager auf ca. 5.800 m eine Schneehöhle zu finden.

Die Enttäuschung bei Ankunft ist dann groß als keine der angekündigten Schneehöhlen zu finden ist.

Sprich selber Schneehöhle graben.


Das kostet ca. 2,5 Stunden Zeit doch zum Glück spielt das Wetter mit. Dann ein ausgedehnter Mittagsschlaf, wir sind froh aus der Sonne raus zu kommen, hinein ins Kühle. Gegen Abend kommen wir nochmal aus der Höhle gekrochen und bestaunen den weiteren Aufstieg, sprich den Grat rauf zum Gipfel, welcher von hier aus sehr gut einzusehen ist. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel hatten wir den ganzen Tag einen tollen Ausblick auf unser nächstes Ziel, den Pik Pobeda.

Dann gibt es um 19.00 Uhr Abendessen und wir gehen schlafen nach einem anstrengenden Tag mit über 1.500 Metern Anstieg in großer Höhe. Eine angenehme Nacht in der Schneehöhle steht bevor bis die Übelkeit bei Milan kommt.

Um 04.00 Uhr heißt es dann aufstehen, um 05.00 Uhr zu starten. Der Abstieg beim erstem Licht und Rest Mondschein.

Elias hasst das stumpfe Bergablaufen, denkt sich Skier wären hier schön gewesen.

Das Camp 2 ist sehr schnell erreicht, wir deponieren die Schlafsäcke und Ausrüstung im Zelt und sammeln Matthias ein. Der steile Abstieg geht relativ schnell, auch wenn es Milan zunehmend schlechter geht.

Wir erreichen das ABC nach 2,5 Stunden, 1.500 hm bergab stecken uns jetzt in den Beinen.



Das Gletscherbesteck deponieren wir jetzt im ABC. Der Rückweg über den Gletscher hat nicht sonderlich Spaß gemacht, aber wir sind im BC gegen 10.00 Uhr angekommen.

Milan verkriecht sich sofort ins Zelt und bleibt einige Stunden regungslos liegen.

Die anderen empfangen unsere neuen Nachbarn aus der Schweiz, die ebenfalls den Khan Tengri bestiegen wollen in unserem Gruppenzelt. Am Abend kommt auch bei Elias leichte Übelkeit. Aber alle haben diese Nacht gut geschlafen und am Morgen sind wir wieder gut drauf.

Jetzt heißt es Wunden lecken, Wetter schauen, und gucken wann es passt um einen Gipfelversuch zu starten.

Absatz zu unserem Füßen. Und jetzt ganz ehrlich wer sich da etwas ekelt sollte ab hier einfach nicht weiter gucken oder lesen.

Wir haben es ja beim letzten Mal offen gelassen wie es mit Matthias Füßen aussieht oder ausgegangen ist.

Also beginnen wir bei Matthias:

nach seinem verstolperter auf den holprigen Straßen von Bishkek was natürlich erstmal weh tat aber nicht so große Sorgen bereitet hat ging es auf den Trek. währenddessen wurde schon das ein oder andere mal ganz schön geflucht wenn der Fuß irgendwo angestoßen ist. Aber bis ins BC hat es soweit gut geklappt. Doch hier angekommen fing der Nagel des dicken Zehs stark an zu schmerzen und auch zu eitern. Konsequenz: OP-Besteck auspacken und operieren. Wir haben uns aber nicht für eine Amputation entschieden, sondern die harmlose Variante, aufschneiden, auslaufen lassen gut desinfizieren, verbinden, beobachten und siehe da es hat anscheinend gut funktioniert. Der Nagel ist sogar bis jetzt noch dran geblieben und schmerzen im Zeh sind auch nicht mehr da!