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Gipfelanlauf — es hat nicht sollen sein, nicht um jeden Preis!

Aktualisiert: Juli 3


Freitag 26.06. — Donnerstag 01.07.

Am Freitag, geplanter Ruhetag und Erholung, so jedenfalls der Plan. Morgens aufstehen jeder macht so seine Sachen, nichts spektakuläres. Zum Mittagessen gibt es dann Kuchen, den wir schon lange aufbewahren. Während Espresso, Tee und Kuchen schauen wir uns die Wettervorhersage genauer an und dann geht es los…

Ab jetzt ging alles ganz schnell. Das Wetterfenster schließt sich schneller als erwartet und wir mussten umdenken. Eigentlich wollten wir noch einen Tag warten bis es los geht zum finalen Gipfelanlauf. Der Schnee sollte sich noch etwas setzen, damit wir dem Lawienenrisiko etwas aus dem Weg gehen. Aber da es sonst keine Chance mehr gab mussten wir es wenigstens versuchen. Also packen für den finalen Anlauf zum Gipfel. Da Matthias leider gesundheitlich (keine Höhenkrankheit, sondern Erkältung und Schlappheit) noch nicht wieder fit und auf der Höhe ist, beschließt er, dass er im ABC verbleibt und nicht mitkommen wird.

Für Milan heißt das dann, dass er die Touren-Ski von Matthias nutzen kann und nicht zu Fuß stapfen muss.

Abends geht es zeitig ins Bett als dann alles gepackt ist.


Am Samstag den 27.06. dann der Aufstieg vom ABC ins Camp 1.

Start sollte 06:00 Uhr sein. Eigentlich alles normal, doch Milan hat mit starker Übelkeit zu kämpfen, kein Frühstück, nicht mal ein Espresso geht. Das will was heißen…

Nach ein wenig Überlegungszeit und einer Tablette gegen Übelkeit dann die Entscheidung doch zu starten, es wenigstens zu probieren. Start dann um 07:00 Uhr nachdem Milan medikamentös eingestellt ist. Wir sind froh über unsere gut ausgestattete Expeditionsapotheke… Langsam aber sicher dann der Aufstieg ins Camp 1 auf 5.300 m.


Mit Ski läuft es richtig gut, doch immer wieder Setzungs- und sog. Wummgeräusche in der Schneedecke, die durch Mark und Bein gehen und was kein gutes Zeichen in Hinblick auf Lawinen ist, doch zum Glück ist das Gelände flach… bis hier hin, doch die Gedanken sind da schon beim Aufstieg zum Camp 2. Ankunft dann in Camp 1, Milan geht es langsam besser, Appetit wieder da. Das Zelt wird freigeschaufelt, wieder wohnlich gemacht, es gibt Essen und ab in den Schlafsack.


Sonntag, für uns kein Ruhetag, moderater Start um 07:00 Uhr Richtung Camp 2. Den Steilhang mit Harscheisen an den Skiern zu überwinden ist kein Problem. Dann der lange Rücken, der sich wie immer zieht und Rucksäcke sind schwer. Der Hang unter Camp 2 sieht immer noch lawinös bzw. Sehr schlecht au. Es muss eine Entscheidung gefällt werden, gehen oder nicht. Nach etwas zögern: Wir gehen! Und nehmen ein gewisses Risiko in Kauf, entscheiden uns aber nach einigen Metern etwas von der Normalroute abzuweichen nach rechts durch Serac-Gelände auszuweichen, da es etwas flacher ist.

Wir queren oben dann weit rechts raus, mit Schweißperlen auf der Stirn und einem mulmigen Gefühl. Stoßgebete und die Hoffnung der Hang hält… Dann die letzte Kehre nach links und ein riesen Erleichterung als wir sicher oben das flache Gelände erreichen und Camp 2 bezogen werden kann.

Das Zelt wird aufgestellt. Dafür wird eine Grube gegraben, um es vor Wind zu schützen und das Zelt ordentlich verankern. Alles daily routine mittlerweile für uns.


Hier oben auf 6.150 m ist es deutlich frischer als unten im Lager (dort Kessel, entweder „schweineheiß oder hufkalt“ , wir verkriechen uns in die Schlafsäcke und bereiten uns (auch mental ) auf den Gipfeltag vor. Start soll um Mitternacht sein, deswegen ist um 17:00 Uhr Schlafenszeit.

Montag 29.06. 00:00 Uhr. Gipfeltag!

Doch Startzeit um Mitternacht verschiebt sich stündlich bis 04:00 Uhr, weil Sturm, Schnee und Sicht das Losgehen verzögern. Start dann kurz vor Sonnenaufgang in voller, dicker Daunen-Montur.

Es folgt eine kurze Abfahrt in den Sattel und dann geht der Aufstieg über teils vom Wind abgeblasenes Gelände stetig nach oben. Der Wind pfeift uns ganz schön um die Ohren. Wir sind froh als die Sonne so da war, dass wir die Skibrillen aufsetzen konnten.


Milan geht voraus und ist sehr gut drauf, er spurt fast die ganze Zeit über, saustark!!!

Elias ist etwas langsamer und hat mit der kalten und dünnen Luft zu kämpfen.



Der Standort von Camp 3 ist nachdem ersten Anstieg erreicht und es geht weiter über einen breiten Grat oder eher Rücken Richtung Gipfelaufbau.

Zum Glück haben wir die Ski, was das ganze deutlich erleichtert.

Es ist eisig kalt, der Wind bläst den Schnee ins Gesicht und wir sind froh die dicken Daunen Sachen anzuhaben, alles ist mühsam.





Unterhalb der sog. Sichel, ein markanter Aufschwung ca. 400 hm unter dem Gipfel werden die Skier deponiert und es geht weiter auf Steigeisen zu Fuß. Bis fast auf die Sichel. Ab hier dann extrem viel Triebschnee in Kombination mit der Steilheit und wir bekommen ernsthafte Zweifel und Angst vor einem Schneebrett, was uns in die Nordwand spülen würde.

Wir wollen den Bogen nicht überspannen zumal wir vor Camp 2 schon so viel riskiert haben.

Auch in Hinblick auf herannahende Wetterverschlechterung entscheiden wir uns dann schweren Herzens gemeinsam zur Umkehr.

Aus der Traum! Aber so ist es sicherer!

Komischerweise tut es diesmal gar nicht weh vor dem Gipfel umzukehren. Eher ein beruhigendes Gefühl den Bogen nicht überspannt zu haben und auf Nummer sicher zu gehen. Der Gipfel des Pik Lenin ist also auch von uns nicht erreicht worden dieses Jahr. Wir wären die ersten gewesen. Aber mit dem Ausblick auf mehr und einem neuen persönlichen Höhenrekord für beide auf ca. 6.700 m ist es keine oder nur eine kleine Enttäuschung. Außerdem waren wir ein gutes Stück weiter als unsere lieben Österreicher, die vor ein paar Tagen bereits abgereist sind.

Liebe Grüße an dieser Stelle an euch alle wenn ihr das hier lest! Es war toll euch kennenzulernen, wir haben uns alle sehr gefreut (nicht komplett allein am Berg zu sein ;) .

Der Rückweg auf Ski war dann etwas holprig und der letzte Gegenanstieg zurück zum Zelt hat uns nochmal Schweiß und Nerven gekostet (auch wenn nicht lang).

Kurz nach dem Eintreffen in Camp 2 dann Whiteout und wieder Sturm, also haben wir auch in der Hinsicht Wetter alles richtig gemacht was unseren Entschluss nochmal kräftig untermauert.

Ein weiterer Versuch scheidet leider aufgrund des Wetters und der Lawienenlage (anhaltend sehr viel Wind) aus. Wir essen noch etwas und schlafen dann fertig ein. Doch nicht so richtig, nach Sturm in der Nacht und einem etwas unguten Gefühl für Abfahrt („Lawinenhang“ unter Camp 2) folgt dann der Tag des Aufräumens und Abstieg ins BC von 6.150 auf 3.500 m.

06:00 Uhr Räumen wir das Camp 2 und starten in einen langen Tag.

Die Abfahrt folgt der Aufstiegsroute über Serac-Gelände.

Bei der Einfahrt in den ersten Hang gehen erste Schollen ab… Kalter Schweiß überall. Aber irgendwie geht wieder alles gut, einfach viel Glück gehabt.