• PMX21

Geschüttelt nicht gerührt

Samstag 22.05. — Montag 24.05.


Hallo aus Osh. Wir sind mit einem traditionellen Frühstück in den Morgen gestartet. Es gab Omelett, Gurken, Tomaten, Käse und natürlich wichtig der schwarze Tee wahlweise mit viel Zucker. Ausgeschlafen und erholt von der doch anstrengenden gestrigen Fahrt starten wir in unseren Ruhetag hier in Osh.

Den Samstag in Bishkek haben wir damit verbracht unsere blauen Frachttonnen auszupacken und zu kontrollieren, um zu sehen ob auch nichts entwendet wurde und alles heile angekommen ist. Unser Ablaufplan sieht vor, dass wir nach der Etappe am Pik Lenin zurück nach Bishkek kommen, daher haben wir das große Glück 2/3 unserer Verpflegung beim Kyrgyz Alpin Club in Bishkek sicher deponieren zu können.

Das andere Drittel kommt mit auf die Reise zum Pik Lenin und wird mit anderen Ausrüstungsgegenständen wieder zurück in einen Teil der Tonnen gepackt.

Während Elias, Nele und Milan fleißig am umpacken sind ziehen Matthias und Phillip los zum „Osh Basar“ in Bishkek, auf welchem man Fahrten nach Osh organisieren kann. Die große Herausforderung ist es mit geringen Russisch-Sprachkenntnissen einen Fahrer zu finden, welcher uns nicht übers Ohr hauen möchte und auch noch das passende Auto mit entsprechenden Ladekapazitäten für unser Expeditionsgepäck hat.

Auf dem Basar scheint jeder jeden zu kennen, verwandt zu sein und auf Kirgisisch wird einem versucht Weiß zu machen, dass Englischkenntnisse vorhanden sind.

Nach langem hin und her waren die beiden erfolgreich und haben zwei Autos für uns an Land ziehen können. Den Vogel abgeschossen hat jedoch Elias an diesem Tag, dessen Kreditkarte beim Versuch Geld abzuheben vom Automaten eingezogen wurde.

Im Allgemeinen war Geld abheben nicht ganz so einfach, da viele Automaten ein Abhebelimit von 8000 Com haben, was in Deutschland einem Betrag von ca. 80€ entspricht. Zudem hatten viele Automaten erst gar kein Geld vorrätig was man hätte abheben können.

Somit war die Stimmung bei einigen Teammitgliedern erst einmal im Keller. Die leckeren Pelmeni zum Abendessen konnten die Wogen jedoch langsam wieder glätten.

Die geplante Abfahrt um 6 Uhr nach Osh verschob sich geschmeidig auf 10 Uhr, da sich eines unserer zwei Autos schon anderweitig auf dem Weg nach Osh befand und Mirlan unser Händler erstmal ein anderes Auto für uns organisieren musste.

Mit einem strahlend goldenen Grinsen wird uns unser Fahrer Johnny (eigentlich Жаныбек = janoibek = kurz Johnny) vorgestellt.

Tarmarov wird unser Gepäck mit dem zweiten Auto nach Osh transportieren. Der Plan war es in Kolonne zu fahren, doch zwei Minuten nach Abfahrt war Tamarov mit unserem Gepäck verschwunden, was für die nächsten 2 Stunden auch so blieb. Im Verlauf des, wie sich später herausstellte doch seeehr langen Tages, sahen wir ihn noch das ein oder andere mal aber von Kolonne konnte nicht mehr die Rede sein. Wir erhofften uns nach 4 Stunden Verspätung, dass Johnny schnellstmöglich nach Osh fährt. Doch nach drei Minuten bog Johnny das erste mal von der Route ab. Ziel ein Kiosk an dem er halten wollte um eine zu rauchen und mit den Ladeninhabern (vermutlich seine Schwester) zu quatschen. Wir bekamen noch Brot und Bonbons geschenkt und endlich konnte es dann wirklich los gehen.

… das dachten aber auch nur wir… nach zwei mal abbiegen hielten wir erneut an und wir befanden uns in einer improvisierten Waschgarage. Das Auto wurde einem gründlichen Waschgang unterzogen. Nach weiteren 15 min befanden wir uns dann aber diesmal wirklich auf den Straßen nach Osh. Einmal aus der Stadt raus ging es dann das Kara-Balta Tal aufwärts zum auf 3180 m hoch gelegenen Töö Ashu Pass.

Durch den Tunnel ging es dann auf die Tok Mok Hochebene.

Die Straßenverhältnisse sind sehr bescheiden. Johnny rast wie von der Tarantel gestochen, weicht Schlaglöchern, Ziegen, Pferden, deren Hirten und was sonst noch so auf der Straße herumliegt oder läuft, hektisch aus.

Sehr am Herzen zu liegen scheint es ihm riskante Überholmanöver in unübersichtlichen Kurven zu vollziehen (Spoileralarm, wir sind heile in Osh angekommen).

Um 15:30 Uhr gab es dann Mittagessen in einem netten Straßenbistro mit Top Kellner.

Vor der Abfahrt wollte die Kellnerin noch ein Selfie mit uns und knietscht sich ungefragt zwischen uns in die Sitzgruppe.

Unter den Klängen neurussischer Pop Musik ging es dann nach einem weiteren Boxenstop wegen Reifenwechsel weiter durch wunderschöne Landschaft entlang der Usbekischen Grenze.

Nach 12 Stunden Fahrt hatten wir dann noch rund 90 km bis zum Ziel, doch die Straßenverhältnisse gaben es nicht her in weniger als 2 Stunden in Osh anzukommen. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde die Übermüdung von Johnny merklich spürbar, doch nach einem weiteren Flash-Energiedrink waren auch riskante Ausweichmanöver wieder machbar.

Kurz vor der Einfahrt nach Osh stellte sich heraus das Johnny unsere Zieladresse gar nicht kannte. Die Fahrt war so langsam echt anstrengend doch ein Ende war in Sicht. Hin und her telefonieren machte es dann möglich das sich unser Gepäckfahrzeug am Straßenrand wieder in die „Kolonne“ einreihen konnte. Philipp navigiert die Kolonne dann gekonnt durch die Straßen von Osh und wir erreichen gegen Mitternacht nach gut 14 Stunden unsere Unterkunft. In der kleinen Oase geführt von unserer Babuschka haben wir das große Glück eine eigene Etage mit Einzelzimmern, einem Bad und viel Platz beziehen zu können.

Dann hieß es nur noch duschen, Zähneputzen und ab ins Bett.

Den Restlichen Montag werden damit verbringen das erste Filmmaterial zu sichten, Kontakte nach Hause zu Pflegen und organisatorische Dinge zu klären.


















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