• PMX21

Expedition Abbruch



Donnerstag 05.08. — Montag 16.08.

PMX21 kehrt nach Coronaverdacht frühzeitig in die Zivilisation zurück und bricht die Expedition vor dem eigentlichen Höhepunkt ab.

Hallo, wer es noch nicht gehört oder mitbekommen hat, ja es stimmt leider. Wir mussten die Expedition frühzeitig abbrechen. Es ging alles sehr schnell und wir sind wieder alle zurück in Bishkek. Wir müssen schauen was die nächsten Tage so bringen. Wir organisieren auf Hochtouren. Aber das aller wichtigste ist erstmal, dass es uns allen den Umständen entsprechend gut geht und kein Gesundheitszustand besorgniserregend ist. Natürlich geht es uns nicht blendend, sonst hätten wir das ganze hier ja nicht abgebrochen. Das sind jetzt erstmal Schock Nachrichten für alle.. ja so war es für uns auch. Da hat nun wirklich keiner von uns dran geglaubt das wir uns hier oben so etwas einfangen. Da achten wir über ein Jahr lang in Deutschland in der Zivilisation, beim arbeiten, in der Uni aufs penibelste drauf uns nirgends anzustecken damit die Expedition nicht gefährdet wird und dann hier oben auf 4000 m wo man sich eigentlich fast in Quarantäne befindet passiert es und macht uns so einen Strich durch die Rechnung. Natürlich gibt es noch viel zu erzählen was wir euch alles nicht vorenthalten wollen und auch nicht werden. Das hier wird also nicht der letzte Blogeintrag sein. Es geht grade erst einmal darum euch über die aktuelle Situation in der wir uns befinden zu informieren.

Milan: „Puh es ist schwer jetzt schon irgendwie alles in Worte zu fassen was so passiert ist. Ich bin auf jedenfall froh das wir jetzt erstmal alle wieder sicher in der Zivilisation sind. Wir müssen jetzt schauen wie es für uns weiter geht. Aber generell kann ich schonmal sagen, dass ich echt stolz auf das ganze Team und auch auf mich bin. Was wir in den letzten Monaten zusammen erlebt und gemeistert haben, was wir für Erfahrungen und Eindrücke sammeln konnten und durften ist einfach der Hammer. Auch wenn wir frühzeitig abbrechen mussten, nicht die Möglichkeit hatten den Pik Pobeda zu besteigen und am Pik Lenin aus Sicherheitsgründen vor dem Gipfel umkehren mussten, wir haben einen Gipfelerfolg am Khan Tengri zu verzeichnen, haben gemeinsam so viel erlebt und durchgestanden und sind jetzt alle wieder heile (auch wenn noch nicht wieder komplett gesund) unten. Ich denke das ist das Wichtigste!“

Nele: „Corona positiv. Ich war seit dem Beginn der Pandemie immer darauf bedacht mich an alle Regel so gut es geht zu halten und genau dieser Misere aus dem Weg zu gehen. Ich bin nicht gerade erfreut darüber das sich das Virus in unserer Mitte eingenistet hat, fragen wäre angebracht gewesen! Mein Krankheitsverlauf ist nicht unbedingt ein Zuckerschlecken und dabei bin ich noch gut weggekommen bei der ganzen Sache. Das mein Geschmacks- und Geruchssinn momentan komplett abhanden sind, ist für mich als gelernte Köchin nicht gerade optimal und ich hoffe sie finden ihren Weg zurück. Bis dahin müssen andere das Essen verkosten :).

Ich fühle sehr mit dem Bergtrupp und es wäre natürlich schöner gewesen hätten sie noch einen Versuch wagen können am Pik Pobeda. Aber vielleicht passiert dies alles aus einem gewissen Grund und es ist am Ende besser so. Beim Pik Lenin herrschte hohe Lawinengefahr und die Jungs haben schon da mit dem Feuer gespielt. Am Khan Tengri ist vieles gut gelaufen und dennoch sind sie mit blauen Augen davon gekommen. Vielleicht ist dieses Corona Virus der letzte Joker unseres Schutzengels, um uns zu sagen, Leute für den Moment geht es bis hierhin und nicht weiter.

Als Verlierer gehen wir auf jeden Fall nicht aus der Sache, ich glaube wir haben alle VIEL dazugelernt, nun heißt es gesund werden und heil in Deutschland anzukommen.“

Elias: „Nach dem positiven Testergebniss im Team stand ich für eine ganze Weile unter Schock. Mein persönliches Highlight und der finale dritte Berg unserer Trilogie (Pik Pobeda), worauf man sich nun zwei Jahre intensiv vorbeitet hatte, wurde nun leider abgebrochen. Wahnsinn. Aber schlussendlich muss ich mir sagen, dass der Berg kein Frosch ist und wegspringt. Ich werde irgendwann sicher noch einmal herkommen und versuchen den „Sack“ abzuholen.

Viel wichtiger ist am Ende, dass die Krankheitsverläufe bei den anderen Vieren bisher recht mild verlaufen und es allen den Umständen entsprechend gut geht.

Wir haben gemeinsam viel erreicht und noch mehr gelernt, sind unversehrt durch die Expedition gekommen. Das zählt.“

Matthias: „Es ist nun das eingetreten wovor wir alle Angst hatten - Corona. Immerhin konnten wir fast 3 Monate beschwerdefrei unsere Expedition genießen. Das Corona jetzt kurz vorm großen Finale zugeschlagen hat ist Schade. Ich Blicke einfach auf die tollen und in vielerlei Hinsicht erlebnissreichen Wochen zuvor zurück und das kann auch Corona nicht kaputt machen. Jetzt hoffen wir mal das die Krankheitsverläufe weiterhin mild bleiben und wir alle schnell gesund werden“

Philipp: "In zwei Jahren der Vorbereitung

waren wir besorgt um geschlossene Grenzen und Reiseverbote, zuletzt auch noch ob einer kurz vor Abreise erkrankt. Das klappte aber und einmal hier angekommen bildete ich mir ein, dass wir mit der Zivilisation nun auch das Infektionsgeschehen hinter uns läge. Dann hätte sich die ganze Pandemie in unserer Abwesenheit ja auch gut auflösen können und man wäre Ende September im Saunabereich Nordbad eingerückt, zum Training, oder in die Kneipe... ausgereiftes Wunschdenken, es kam ja anders und nun sind alle krank. Ich will nicht beklagen wie ärgerlich diese Wendung ist, stattdessen soviel:

Fährt man während einer Pandemie auf Expedition, dann auch im Wissen um dieses Risiko. Uns geht es allen mehr oder minder gut, jedenfalls wurde noch keiner in nen Sack gelegt, obwohl dieses Unterfangen schon einige Male fast ein tragischeres Ende genommen hätte. Außerdem und überhaupt schätze ich uns sehr glücklich, dass uns bis hierher immerhin zwei Berge und zwei Drittel der Expedition vergönnt waren! Stelle ich mir vor wir wären nie aufgebrochen, ergibt Corona auf 4.000m noch die bessere Geschichte."

Soo um euch über den Verlauf der letzten Tage im Camp zu informieren.

Am Freitag den 06.08. passte endlich das Wetter und so packen Nele und Elias um 07.00 Uhr die Sachen für Aufstieg und Depot (Zelt, Schlafsack, Seil, Kocher, Gas und Essen) nach C1 bzw. ABC am Pik Pobeda. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es um 10 an den Start. Es ist warm und die Sonne scheint.


Ca. 5,5 km geht es über schuttbedeckte Gletscherrücken immer leicht aufwärts dahin. Es wird viel pausiert, da Nele 4.400 m auf der Expedition noch nicht überschritten hat… Am Fuße des Gletscherbruches/ Stufe werden die Steigeisen angezogen und es folgt Wegsuche… Irgendwann finden sich ältere Wegfähnchen, die durch die unseren ergänzt uns schließlich alle mittels Eisschraube neu und nachhaltig fest platziert werden. Hinterlassen wird eine durchmarkierte „Autobahn“ (spart bare Zeite v.a. im Abstieg!). Bis hierher ist der Gletscher aper und seilfreies Gehen ohne weiteres möglich. Angekommen auf dem Plateau wird sich aufgrund der Schneeauflage und enorm zahlreicher und großer Spalten ordnungsgemäß angeseilt.

Der Schnee wird immer tiefer je weiter wir kommen, teilweise bis zu den Oberschenkeln. Es ist Mühsam voranzukommen, aber ein Camp 1 findet sich nicht — keine Zelte weit und breit. Dann ein undefinierbares Gräusch von hinten und Zug auf dem Gletscherseil. Elias wirft sich hin und dreht sich um — Nele schaut nur noch mit dem Kopf aus einer Spalte, kann sich aber dann mit etwas Seilzug selbst befreien, Schrecksekunde und weiter… Schon fast am Einstieg Eisbruch zum Dikij-Pass wird dann einfach das Hochlagerzelt auf einem breiten und etwas aufragendem Spaltenrücken aufgestellt in der Hoffnung von den mächtigen Lawinen auf der Nordwand verschont zu bleiben.

Mittlerweile schneit es stark, beide sind erschöpft — der Tiefschnee hat seine Wirkung nicht verfehlt. Nele ist v.a. mental fertig. Die großen Spalten haben sie doch mitgenommen. Nachdem das Zelt steht muss sie sich kurz übergeben. Dann ist Ruhe und wir gehen zu Essen und Tee über, natürlich im warmen Schlafsack und so langsam wird es doch noch ein netter Abend… Um 05.30 Uhr ein lauter Knall und Dröhnen — Elias schaut aus dem Zelt und eine mörderische Lawine mit riesiger Staubwolke feuert die Nordwand des Pobeda hinunter. Steht das Zelt weit genug weg? Ist auch egal wenn nicht, dann ist es sowieso zu spät :) Der Abstand passt und auch die Wolke löst sich rechtzeitig auf. Der Platz ist gut!

Am nächsten Tag wird früh aufgebrochen in der Hoffnung, dass der Schnee noch trägt und es funktioniert. Die beiden kommen gut voran. V.a. der Eisbruch passt und dank der guten Markierungen kommen die beiden gut voran und sind kurz nach dem Mittag zurück im BC.

Zurück im BC ist die Lage auf „Station“ unverändert. Bergsteigen ist erstmal nicht und so werden die Ruhetage zum Duschebauen gemeinsam mit den Schweizern genutzt. Endlich wieder richtig duschen (sogar warm wer will) — grandios, das hebt die Stimmung. Elias tauscht noch seine dünne Expeditions-Teamjacke mit der Mongolischen Alpin-Nationalmannschaft, ein seltenes Souvenir im Sinne der Völkerverständigung :)

Gleichzeitig fährt uns wohl ein sehr großer Schreck durch die Glieder, da der viele Neuschnee die bislang größte Lawine aus der Nordwand des Pobeda zur Folge hat — Hoffnung unser Hochlagerzelt in einem Stück wiederzubekommen haben wir in dem Moment keine mehr. Zum Glück ist der Standort markiert und man kann die Ausrüstung bergen…

Ansonsten tut sich nichts im Krankenlager außer, dass es Nele nun auch erwischt hat.

Es passiert wirklich sehr wenig bei uns im Lager in den Tagen.

Doch an dem einen Morgen, wir hatten noch aus Deutschland einen Schnelltest dabei dachten wir uns na um sicher zu gehen machen wir doch einfach den Test.

Matthias macht also den Schnelltest, und wieder Erwartens zeigt dieser leider ein positives Testergebnis an...

Und was jetzt?

wir finden uns zu einer „Krisensitzung“ im Gruppenzelt ein. Leider weisen sehr viele Punkte auf eine Corona Erkrankung hin. Elias, der vor der Expedition geimpft wurde zeigt keine Symptome, der Rest von uns zeigt welche. Sei es Husten, Gliederschmerzen, Geschmacksverlust, oder Schwierigkeiten mit der Luft.. Auch wenn wir keine hundertprozentige Sicherheit haben weisen die Zeichen sehr stark darauf hin. Also was tun?

Schweren Herzens entscheiden wir uns einstimmig für den Abbruch der Expedition. Es ist sicherer für uns alle wenn wir das Lager verlassen und in die Zivilisation zurückkehren. So bald wie möglich! Wir fragen beim Camparzt noch nach ob er noch mehr Schnelltests hat. Doch davon gibt es in Kirgistan keine..

Wir informieren also unsere Agentur in Bishkek.

Da Elias ja schon das Zelt und ein Depot im ABC vom Pik Pobeda aufgebaut hat bricht er am Morgen sehr früh auf um das Material zurück zu holen.

Wir anderen liegen um 08:00 Uhr noch im Zelt und wollen grade aufstehen als der Camp Boss neben unseren Zelten steht und ruft: „Team Germany.. helicopter in two hours!“

da waren wir ganz schön perplex wie schnell das jetzt ging. Doch Elias war ja noch auf dem Weg. Also mussten wir dem BigBoss leider erklären das wir noch auf Elias warten und nicht in 2 Stunden fliegen können. Zwar war Elias sehr schnell und schon bald wieder da aber das hätten wir doch nicht geschafft.

Am Abend kommt der BigBoss und der ImternetBoss zu uns und teilen uns mit das es mit dem Wetter die nächsten Tage nicht gut