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Basislager 2.0



Montag 24.05. — Samstag 29.05.

Montag war Ruhetag in Osh, da der Basar geschlossen hat. Nein nicht wegen Pfingstmontag, das ist hier einfach so. Wir haben uns also nach dem leckeren Frühstück und diverser organisatorischer Dinge auf einen Bummel durch Osh gemacht.

Ruhetag heißt ja auch nicht gar nichts machen, sondern alles einfach ganz entspannt anzugehen. Da wir noch Geld für die Einkäufe auf dem Basar brauchten und es generell gut ist hier in Kirgistan etwas Bargeld in der Tasche zu haben führte und der Weg zu einem Geldautomaten, welcher auch Maestro Karten annimmt.

Das Ausgabelimit beschränkte sich zwar wieder auf 150 € aber wenn man das Ganze oft genug und von mehreren Karten aus macht bekommt man doch die gewünschte Summe zusammen, was dann schon die Bankmitarbeiter auf den Plan rief, jedoch in einem netten Smalltalk endete. Mit viel Geld in den Taschen haben wir uns dann auf den Weg zu unserer ersten Gipfelbesteigung dieses „Wanderurlaubes“ gemacht. Während der Besteigung des 1.110 m hohe Sullaiman Too, ein Heiliger Berg in Osh kommt man an drei glücksbringenden Standorten vorbei. Das erste ist eine Höhle in welcher man durch reinkriechen zu besserem Augenlicht gelangen soll. Das nächste ist ein Loch in welches man reinfassen soll, welches Glück bringt. Das dritte ist eine Rutsche im Fels, wer diese herunter rutscht klagt danach nicht mehr über Rückenschmerzen. Natürlich haben wir alles mitgemacht und sind uns heute schon sicher, dass es etwas gebracht hat.

Vom Gipfel des Sulaiman Too hatte man dann einen tollen Ausblick über Osh bis hin nach Usbekistan. Da wir uns etwas abseits der Aussichtsplattform aufgehalten haben, gab es von einem Offizier des Kirgisischen Militärs noch ein bisschen Ärger, aber da wir seinen Anweisungen natürlich direkt strikt gefolgt sind und zurück zur Plattform abkletterten gab es keinen weiteren Ärger.

Auf dem Rückweg in unser Apartment wurden wir noch von ein paar kirgisischen Jugendlichen angesprochen, welche gerade aus ihrem Englisch-Kurs kamen und ihr Englisch praktizieren wollten.

Nach einem netten Gespräch und dem Austauschen von Handynummern ging es für uns zurück ins Apartment.

Dienstag war dann der Tag auf den wir gewartet haben. Der Basar hatte wieder auf und wir konnten für die nächsten 36 Tage ordentlich einkaufen gehen. Dank Bachram unseren netten Fahrer, welcher uns auch am nächsten Tag ins vorgezogene Basislager gebracht hat, dazu später mehr, konnten wir entspannt shoppen gehen. Er hat uns auf den Basar gefahren, wo wir noch viel nützliche Hardware kaufen konnten, sprich Küchenutensilien Hygieneartikel und natürlich haufenweise Trockenfrüchte.



Bachram hat vor dem Basar auf uns gewartet und fuhr uns weiter auf den „Baumarktbasar“, wo wir uns erhofft haben Leitern zu überqueren von größeren Gletscherspalten am Pik Lenin zu bekommen. Das ganze hat sich als nicht ganz so einfach herausgestellt, da uns einfache Trittleitern für den Haushalt nicht viel weitergeholfen hätten. Schlussendlich haben wir dann aber doch noch 2 ordentliche Leitern ergattern können.

Alles eingeladen in den Sprinter von Bachram ging es weiter zu Großeinkauf im Supermarkt. Dank sorgfältiger Planung und perfekt geführter Einkaufslisten von Nele verlief der Einkauf sehr organisiert. Auch kleinere Änderungen an Lebensmitteln, die doch nicht zu bekommen waren, konnten uns von einem erfolgreichen Einkauf mit drei vollen Einkaufswagen nicht abhalten. Die Verkäuferin an der Kasse muss wohl zur Verkäuferin des Tages, wenn nicht sogar des Monats, geworden sein bei der Masse, die wir gekauft haben.



Am nächsten Morgen gab es zeitig Frühstück, bis dann nicht ganz typisch für kirgisische Verhältnisse Bachram wie verabredet um eine Minute vor 7 vor der Tür stand. Nach einer guten halben Stunde einladen war der Sprinter voll. Wir verabschiedeten uns von der Babuschka und ihrem Mann, welche uns noch viel Erfolg wünschten und los ging es für uns raus aus Osh, rein ins lang ersehnte Abendheuer.

Auf dem Weg hoch zum Taldyk Pass auf 3615 m gab der Sprinter seltsame Warngeräusche von sich und wir hatten eine Panne. Doch wie schon gesagt ist Bachram ein cooler Typ und ein sehr gut vorbereiteter Fahrer. Er hat sich kurzerhand unter den Sprinter gelegt, den kaputten Schlauch mit Panzertape geflickt und die Fahrt konnte zwar mit verminderter Geschwindigkeit aber trotzdem unvermindert weiter gehen. Ab Sary Tash lässt sich die Alaikette dann herrlich einsehen und bald war auch der erste Blick auf unser Ziel den Pik Lenin frei.


Hinter Sary Mogul wurde dem Sprinter dann nochmals alles abverlangt, da es nun links ab ins Gelände über holprige und staubige Pisten in Richtung Achik Tash hinauf ging. Zwar war die erste Brücke von Kühen gesperrt, doch konnte der tapfere Philipp uns den Weg frei machen und uns eine sichere Weiterfahrt gewährleisten.

Ein Labyrinth an Pisten, wo selbst unser ortskundiger Bachram bei Nomaden nach den Verhältnissen und Wegvarianten erkundigte führte uns weiter hinauf ins Hochland.

Bachram hat alles gegeben, doch am Ende schaffen wir es nicht bis Achik Tash bzw. weiter in unser Basecamp.

Zu viel Schnee versperrte dem Sprinter den Weg und auch ausweichen ins freie Gelände war aufgrund großer Steine nicht mehr möglich und unser kühner Bachram musste aufgeben. Somit blieb uns nur das Notlager am Pistenrand auf 3500 m. Nach dem Ausladen und einem Abschiedsfoto mit Bachram drehte er um und ließ uns allein.

Angeblich sollten es nur noch weniger als 1 km bis zum Basecamp sein…

Am nächsten Tag stellte sich jedoch heraus, dass es weit mehr sein sollte, kirgisische 800 m sind wohl doch keine europäischen.

Begleitet von einsetzendem Schneefall bauten wir unser vorgezogenes Basislager oder Notlager auf, es gab zum Abendessen noch Kartoffeln mit Gulasch. Dann zogen wir uns in die Zelte zurück und versuchten bestmöglich unter Kopfschmerzen, welche wir dem schnellen Anstieg der Höhe zu verdanken haben, einzuschlafen.


Der nächste morgen, Donnerstag war dann großer Kampftag.

6 Tonnen, 5 Duffelbags, 4 Duffelbags mit Essen und z.T. frischen Lebensmitteln sowie Paletten mit Soßen, Bier, Kwas und diverser Kleinkram mussten mühsam zu Fuß in unser Basislager getragen werden und wir mutierten zu einer Herde Mulis. Leider sind die Nomaden noch nicht bis hier hin hoch gezogen so das wir uns den ein oder anderen Esel hätten ausleihen können.

Alles in allem sind wir dann zu fünft den gesamten Weg 3x vor und zurückgelaufen,

wobei wir feststellen mussten, dass aus 800 m schnell 4 km je Strecke werden können.

Ein stückweit der Piste folgend zog sich der Weg weiter über Bäche, Bachbetten und Geröll bis ins Basislager.

Schließlich haben wir einen schönen geräumigen Wiesenplatz mit Wasserzugang zu eiskalten Gletscherfluss gefunden.


Nach einem mörderisch anstrengendem Tag in der Sonne einschließlich Sonnenbrand (man kann eincremen so viel man möchte… + Kopfbedeckung), einem höhenbedingt angeschlagenen Magen und schweren Lasten auf den Schultern fielen wir abends tot aber glücklich im neuen Basecamp nach einem deftigen Abendessen (Kartoffeln mit Gulasch = genau das richtige) in die Schlafsäcke. Doch leider mit dem Wissen im Hinterkopf morgen noch weitere zwei Fuhren machen zu müssen. Am nächsten Tag sind wir dann alle mit Kopfschmerzen aufgewacht und der ganze Körper war müde von den Lasten.

Doch nach einem entspannten gemeinsamen Frühstück in der Sonne mit freiem Blick auf unser Ziel, den Pik Lenin, starteten wir in die zweite Halbzeit der Mulimeisterschaften. Die erste Runde sind wir zu fünft gegangen und wir bekamen fast alles hoch ins Basecamp. Die zweite Runde blieb Matthias höhenbedingt, leicht geschwächt im Basecamp zurück und kümmerte sich liebevoll um den Haushalt. Der Philipp, Elias, Nele und Milan holten noch den liegengebliebenen Kleinkram und unser großes Zelt. Aber auch nur zu viert waren die Rucksäcke dieses Mal angenehm „leicht“.

Den restlichen Nachmittag haben wir unser Basecamp gepimpt und für ca. eine Woche häuslich eingerichtet.

Bisher haben wir noch keine Menschenseele gesehen oder angetroffen. Wir sind gespannt ob das so bleibt.

Samstag dann endlich ein waschechter Ruhetag.

Heute widmen wir uns nach den Strapazen der letzten Tage der Hygiene dem Wäschewaschen und der Korrespondenz.

Fläzen was das Zeug hält. Philipp sichtet ausdauernd Videomaterial und alle anderen machen was Ihnen heute so gut tut. Und dann.. wir haben eine fremde Person im Tal gesichtet. Sie ist entlang des Tals gelaufen, vielleicht kommt sie auf dem Rückweg noch auf einen Tratsch vorbei.

Heute Nachmittag werden wir sicher noch einen kleinen Spaziergang in Richtung Advanced Basecamp (wir werden es ab jetzt nur noch ABC nennen) unternehmen und hoffen, dass uns das Wetter gewogen bleibt, da es nachmittags fast immer Hagel oder Schneeschauer gibt. Wenn hier die Sonne scheint ist es brutal heiß, doch sobald sie hinter einer Wolke verschwunden ist, ist es wieder ordentlich kalt. Die nächsten Tage nutzen wir hier zum erkunden und akklimatisieren.


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