6.000 m, aber Camp 2 bleibt garstig

Aktualisiert: Juli 2

Sonntag 20.06. — Donnerstag 24.06.

Am Sonntag hatten wir wieder einen Ruhetag. Das mag sich für einige bestimmt seltsam anhören. Die fliegen so weit, nehmen sich 4 Monate Zeit, planen 1,5 Jahre, trainieren und sind dann in dem ABC und machen immer weiter Ruhetage. Aber so ist das leider nun mal -wieder müssen wir uns den Bergen und der Natur hingeben, aufs Wetter und die Bedingungen hören, sonst wird’s gefährlich. (Übrigens wo wir jetzt hier grade am schreiben sind, auch der Beginn eines Ruhetages) - aber dazu später mehr denn es ist kein voller Ruhetag. Also wir waren bei Sonntag stehen geblieben... Wir haben auf besseres Wetter/ Bedingungen gewartet. Wir waren bei den Österreichern zum Kaffee eingeladen, doch grade als wir losgehen wollten kommt ein Gewitter um die Ecke und wir entschieden uns im Zelt liegen zu bleiben.

Auch der Montag schien für uns noch gut zum abwarten und ausruhen, aber wir haben unsere Rucksäcke gepackt für den Aufbruch am Dienstag und die Österreicher im Aufstieg durch das Fernglas beobachtet. Phillip startete derweil seine heldenhafte Tat um 8:30 Uhr auf verlängerte Halbtagestour zum Travellers Pass mit den Zielen: alle Internet betreffenden Korrespondenzen, Visa Verlängerungen, Blogeintrag , Mailverkehr in die Welt zu schicken.

Rückkehr halbtagsstour ca. 19 Uhr. Läuft halt alles was anders hier. Ein Problem gibt es leider noch... Matthias kränkelt, fühlt sich schlapp und es ist leider nicht sicher ob er am Dienstag mit am Start sein wird.

Leider kam es dann am Dienstag morgen auch so, dass er die Entscheidung gefällt hat sich auszukurieren. Das ist schade, aber die wohl vernünftige Entscheidung.

Elias und Milan starten um 03:00 Uhr bei wieder sternenklarer Nacht.

Gute Akklimatisierung von Vorteil, brauchten wir weniger als 5 Stunden bis ins Camp 1. Zur Erinnerung, beim letzten Mal waren es mehr als 12 Stunden. Der Rest des Tages wurde damit verbracht das Zelt im Camp 1 freizuschippen, uns wohnlich einzurichten, Bilder folgen dann Anfang Juli, und im Zelt bei über 30 Grad und null Wind halbnackt zu schwitzen. Am Nachmittag kehren die Österreicher, die Ihre Zelte kurz neben uns aufgeschlagen hatten, aus Camp 2 zurück. Dachten wir. Erst rief einer rüber: kommen gleich mal zu euch, machen noch Nachbesprschung. Das hörte sich schon nicht gut an dachten wir. Und so war es, sie brachten keine erfreulichen Nachrichten. Sehr hohe Lawienengefahr im Steilhang kurz unter Camp 2. Sie haben unter anderem einen Kompressionstest gemacht. Und das von einem Bergführer zu hören war doch eindrucksvoll. Sie planen also den Rückzug und aus zeitlichen Gründen ihre Abreise. Schade.

Für uns stand dann nach kurzem beraten fest, uns das ganze am nächsten Tag separat nochmal anzuschauen und evtl. eine Alternativroute zu finden.

Am Mittwoch um 08:00 Uhr starteten wir dann über den Steilhang nahe des Camps mit Harscheisen und stiegen auf bis auf ca. 5.600 m. Dann ging es über seichte Rücken bis hin zu dem berüchtigten Hang vor Camp 2. Die Entscheidung rechts zu umgehen und über den Grat das Camp 2 zu erreichen fiel dann recht schnell. Also los ging es. Doch bei gut 6.000 m bekamen wir auch hier ein mulmiges Gefühl beim Schneedeckenaufbau. Wir machten ebenfalls einen Kompressionstest im Hang und der war so lala...

Also fiel die Entscheidung weiter zu gehen, doch nach wenigen Spitzkehren weiter im Hang gingen die ersten Schollen ab. Somit haben wir die Entscheidung revidiert und sind sofort umgekehrt. Somit ist Camp 2 auf 6.100 m immer noch unerreicht auch wenn uns keine 100 Höhenmeter mehr gefehlt hätten. Dennoch sind die erreichten 6.000 m für beide ein neuer Höhenrekord.

Jedenfalls hieß es dann Felle ab und runter zu Camp 1, Schwung mitnehmen und ein fieses Flachstück zu überfahren mit vielen Schneeverwehungen, wobei es uns fast zerrissen hätte. Zum Schluss ging es den Steilhang runter und schon waren wir zurück in Camp 1. Milan hatte seine erste Skitour erfolgreich beendet (!) bei der alles dabei war und dazu noch in 6.000 m Höhe.

Zum Mittagessen gab es dann Trek’n’eat und bei beginnendem Schneefall zogen wir uns ins Zelt zurück. Nachmittag zog dann noch ein ordentliches Gewitter auf. Doch zeitweise war natürlich wieder schwitzen bei standardisierten 30 Grad im Zelt angesagt. Donnerstagmorgen hieß es dann um 06:00 Uhr Start zurück ins ABC. Wo wir jetzt grade schreiben (09:00 Uhr). Ab jetzt heißt es dann also wie am Anfang schon gesagt Ruhetag, oder Tage warten bis sich der Schnee gesetzt hat. Anfang nächster Woche heißt es dann: jetzt klappt’s oder nicht. Alles oder nichts wir hoffen das beste, es liegt leider nicht in unserer Hand. Wetter und die Schneeverhältnisse (Lawinengefahr) müssen mitspielen! Noch sind wir optimistisch und glauben, dass ein Gipfelerfolg möglich ist. Zu dritt dann, falls Matthias sich wieder aufrappeln kann! Der Weg runter ins ABC war gut skibar. Nur der Hang über dem Eisbruch wartete mit anstrengendem Bruchharsch auf uns. Trotzdem konnten beide den Hang sicher abfahren und sind zurück im ABC. Ausblick: also ein paar Tage warten und dann noch einen Angriff starten zum Gipfel.


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