• PMX21

4x gehen ist 3x zu viel


Samstag 29.05. — Sonntag 06.06.


Den Samstag, unseren Ruhetag, haben wir mit Ausrüstung-Check, gutem Essen und einem Spaziergang über die nahegelegene Zwiebelwiese bis hin zu einer Schlucht, welche uns zum Travellerspass und weiter bis ins ABC führt, verbracht. Wie bereits erwähnt… „ABC“ sagen wir nicht einfach so weil uns die ersten Buchstaben aus dem Alphabet gut gefallen, sondern es ist die Abkürzung für Advanced Base Camp. Advanced also Fortgeschritten weil es auf gut 4.300 m Höhe liegt und man es aber trotzdem gut als Camp nutzen kann, da es direkt am Fuße des Pik Lenin liegt. Wir haben von dort relativ schnell die erste Schlüsselstelle, den Eisbruch, vor der Brust. Für diesen werden wir auch die Leitern benötigen. Dazu später mehr, da diese uns vor ein paar Tagen beinahe zum Verhängnis geworden wären. Sprich Daumen drücken, dass sie uns helfen und nicht das Gegenteil bewirken werden.



Am Sonntag haben wir uns dann aufgemacht, um den Weg weiter zu inspizieren und zu präparieren. Am Anfang der oben genannten Schlucht am Ende der Zwiebelwiese gilt es ein Schneefeld im Hang zu queren.

Man mag jetzt denken das sollte doch kein Problem darstellen die wollen doch auf einen Berg auf den nur Schnee und Eis zu finden ist. Doch da werden wir nicht mehr so viel unhandliches Gepäck bei uns haben. Wir haben sehr viel Material, welches wir letzte Woche schon einmal bewegt haben. Da war es aber nur eine kurze Strecke und einfache Wege. Deswegen haben wir uns dafür entschieden Schnee zu schippen und die darunterliegende Eisschicht zu entfernen, damit uns keiner in die danebenliegende Schlucht absaust und für alle Teilnehmer eine sichere Querung zu ermöglichen. Zum Glück haben wir „Großes“ vor und wir haben Eispickel dabei mit denen wir dem Eis zu Leibe rückten und nach anderthalb Stunden Teamarbeit den Weg frei hatten. Also das erste Schneefeld… danach auf dem Weg Richtung Travellers Pass treffen wir auf noch sehr verschneite Hänge und es ist schwer einen Weg zu finden. Doch auch das haben wir gemeistert, einen Weg gefunden, sodass Nele und Elias den Pass auf 4150 m erreichten. Matthias und Milan haben den Rückweg durch die Schneefelder mit Steinmännern markiert. Philipp war bereits zuvor umgekehrt, um der Videomaterial zu sichten.

Der Montag kam uns dann als Ruhetag zu gute und wir haben den Tag über Karten gespielt, geplant und organisiert. Nele hat eine Inventur und Feinplanung unserer ganzen Vorräte gemacht.



Dienstag erster Juni. Sommer… naja das Wetter ist hier halt einfach anders als zu Hause. Bei Sonnenschein sehr heiß und wenn sie weg ist unangenehm kalt. Nach dem gestrigen Ruhetag geht es früh raus. Ziel ist die Weitererkundung des Weges bis ins ABC. Start im BC über die Zwiebelwiese, durch die Schlucht der Weg zum Traveller Pass hoch. Das Team zieht sich weit auseinander, Nele und Elias erreichen den Travellers Pass, überqueren ihn und machen sich auf die weitere Erkundung des Weges.

Der wird nicht leichter, lange Schutt- und Geröllhänge sind zu queren. Dann ein weiteres Schneefeld im Hang. Von dort aus gab es aber Sichtkontakt zu Matthias Phillip und Milan. Da wir mit Funkgeräten ausgestattet sind konnten wir so kommunizieren. Elias und Nele ziehen weiter, die anderen drei drehen um und deponieren Seile und Markierungsfahnen unterhalb des Travellers Pass.

Für Nele und Elias ging die Odyssee weiter bis sie schließlich den Weg ins ABC gefunden haben. Es waren noch einige Schneefelder zu queren und das vorankommen war sehr mühsam. Nach einiger Sucherei haben sie dann ein Camp von der Agentur Centralasia gefunden, eine verlassene für den Winter also offseason bereitetes Jurtengestell. Dort haben sie dann weitere Markierungsfahnen ein Seil und ein Fernglas deponiert, sich auf den beschwerlichen Rückweg gemacht, mit dem Wissen, dass der Materialtransport kein Zuckerschlecken wird. Damit der Weg gut wiederzufinden ist wurde der Weg natürlich auch mit Markiereunsfahnen und Steinmännern gekennzeichnet. Am Abend kam es dann zu einer Diskussion über die Kommunikation im Team und es wurde über Bedenken hinsichtlich der Wegstrecke bei den vorherrschenden Bedingungen gesprochen. Die Gemüter waren alle angespannt und so entschieden wir uns für eine Vertagung der Diskussion auf den nächsten Tag. Damit sich alle beruhigen können und eine Nacht drüber schlafen, um alles sachlich klären zu können.

Nach den Streitigkeiten am Vortag haben wir uns dann erneut, diesmal mit beruhigten Gemütern, zusammengesetzt uns ausgesprochen und einen Plan zum weiteren Vorgehen geschmiedet. Eine lange und sachliche Diskussion über Akklimatisierung, eine Reduzierung des ABC, den Transport etc. folgte und wir einigten uns gemeinsam auf den Umzug vollständig ins ABC auf ca. 4.300 m Höhe. Jedoch mit weiterer Reduzierung unserer Habseligkeiten. Jeder sollte noch Abstriche machen und Dinge, auf die man verzichten kann, hier im BC beim Kyrgyz Alpin Club (KAC) lassen. Wir haben nochmals eine ganze Tonne zusammen bekommen (die wir nicht tragen müssen). Den restlichen Tag nutzten wir zum Waschen, Hygiene und das erste Packen für Tag 1 des Umzuges ins ABC.

Die große Herausforderung hier der Transport der Fässer und Leitern über eine beschwerliche Strecke von 10 km auf über 4000 m Höhe. Am nächsten Morgen hieß es dann zeitiges aufstehen, weil so die Schneefelder noch fest gefroren und leichter zu überqueren sind. Also Weckruf um 4 Uhr, scharfer Start dann um 5 Uhr.

Nele geht vorneweg und gibt den Pacemaker. Das macht sie in der manier einer Bergführerin, sodass die gesamte Gruppe davon profitiert und geschlossen zusammen bleibt. Wir nähern uns der Sache mit der Leiter... Eine Leiter auf zwei Beinen, so sah Elias jedenfalls aus, mit vollem Rucksack und der Leiter auf dem Rücken. Philipp mit einem Rucksack voll Gaskartuschen, Nele mit dem Rucksack voll Essen, Matthias mit Skiern am Rucksack und weiterem Material, Milan mit einer Tonne auf dem Rücken. Wir haben ein lustiges Bild abgegeben.


Das Gelände vor allem die langen und in Teilen sehr steilen Geröllquerungen waren für unseren bergunerfahrenen Philipp unter Gepäck eine große Herausforderung. Doch hinter Nele, die beruhigend und sehr gut unterstützend ihm zur Seite Stand, wurden auch die hwierigen Passagen solide gemeistert. Leider zog nicht weit vor dem ABC das Wetter immer weiter zu, Wolken hüllten uns langsam aber sicher ein und Schneefall/Hagel setzte ein…

Auf ca. 4.100 m begann Philipp langsam zu torkeln und bei Phillip machten sich erste Anzeichen einer akuten Höhenkrankheit bemerkbar. So jetzt kommen wir zu der Leiter…

Elias wunderte sich auf einmal über ein ziehen und auftretende Schmerzen in der rechten Schulter was nach dem Marsch mit dem Gepäck erstmal nicht so ungewöhnlich gewesen wäre. Ausgehend vom zunehmenden Wind dachte er das wäre der Hagel, der auf ihn einprasselt doch dann begriff er langsam, das er Stromschläge durch die Jacke bekam…langsam dämmerte es… Scheiße der Firnanker am Rucksack…ah nein Scheiße die Leiter (Top Antenne) am Rucksack…Alarm! Aua, Aua rief er, werft die Rucksäcke weg! Höchste Eisenbahn das ganze Metallgerassel loszuwerden. Die Rucksäcke also abgeworfen und wir zusammengekauert am Boden. Zum Glück gab es keinen Blitzeinschlag. Dank ausreichend schneller Reaktion von Elias. Nach kurzer Beratung entschlossen wir uns dann alle Metallgegenstände und den Inhalt aus Philipps und Neles Rucksacks an Ort und Stelle zu deponieren. Nele und Phillip stiegen mit Funkgerät und Biwaksack ausgestattet sofort ab und marschierten zurück Richtung BC, da Philipps Zustand in der Höhe nicht besser werden konnte. Langsam besserte sich das Wetter und die Wolken zogen ab.

Matthias, Milan und Elias transportieren das nichtmetallische Material weiter ins ABC und deponierten es in einem der Hochlagerzelte.

Ein langer Rückweg auf Geröll machte mürbe und wir waren heil froh, dass nichts passiert war. Abends saßen dann alle fertig und schweigend im BC beim Essen und freuten sich auf eine kurze aber erholsame Nacht.

Freitag, Tag 2 des Umzuges ins ABC.

Bei der ersten Pause am Beginn der Schlucht hängt Matthias nach 35 min gehen bereits hinterher und auch Philipp geht es nicht gut. Er fühlt sich fertig und geplättet vom Vortag. Nach kurzer Beratung gehen Matthias und Philipp wieder zurück ins BC zur Regeneration. In diesem Zustand macht das Weitergehen keinen Sinn.

Das Wetter passt und aufgrund der nun geschrumpften Gruppe erreichen Nele, Elias und Milan das ABC in Rekordzeit hinterlegen die Mitbringsel und machen sich auf den recht heißen Rückweg. Zurück im Camp gab es dann den ersten Eklat. Elias rastete völlig aus, da die beiden Dagebliebenen weder den Abwasch erledigt noch eine Tee angesetzt hatten, obwohl die übrigen drei den ganzen Tag für das Team unterwegs waren und hart gekämpft haben. Nachdem sich dann alles wieder etwas beruhigt hatte konnte über die Situation gesprochen werden und jeder konnte das sagen was zu sagen war. Die Wogen glätteten sich wieder. Das Team hält zusammen! Umzug Tag 3.

Wieder alle 5 an Board um zu schleppen. Mittlerweile tut allen der Rücken oder die Beine weh. Der wolkenlose und windstille Tag macht es mit der Hitze nicht leichter wir brechen im Schnee immer häufiger ein und die übrigen Schneefelder verschwinden zusehends. Milan geht es zunehmend schlecht und kehrt nach dem Abladen des Materials im ABC vorzeitig mit Nele Richtung BC zurück. Eine der gefährlicheren Schneefeldquerungen auf dem Weg befreien sie noch von Eis und Schnee, mit Pickel und Schaufel. Da der Weg doch noch ein paar mal zu gehen ist und das darunterlegende Eis zunehmend zur Gefahr auf dem Rückweg wird.


Philipp macht noch einen zweiten Lauf und holt die liegengebliebene Leiter gefahrlos bei gutem Wetter. Matthias und Elias suchen derweile das offizielle ABC des Kirgisischen Alpenvereins, da jede Agentur ein eigenes hat und wir Streitigkeiten bei Saisonbeginn aus dem Weg gehen möchten. Noch sind wir vollkommen allein am Berg.

Leider konnte uns der KAC keine Koordinaten geben nur einen Punkt auf der Karte, was die Suche erschwerte und zu keinem Ergebnis führte. Matthias machte von jedem der umliegenden Camps ein Foto und sendete dies an den KAC. Dadurch erhielten wir am Abend zu einem Foto die Bestätigung, yes! Endlich ein fester Platz und gar nicht weit weg von unserem angelegten ABC-Depot — Schwein gehabt.

Die Suchaktion brachte Elias glücklicherweise die erste kleine (Such-)Skitour mit kleiner Abfahrt im Pamir ein — die Ski sind gut gewachst. Vorfreude auf mehr… Die Schneefelder in den unteren Lagen werden immer weniger und erleichtern uns das vorankommen deutlich. Nach der Rückkehr sind alle vollkommen geplättet und beschließen noch einen letzten Ruhetag vor dem finalen Umzug ins ABC.

Im BC freuten wir uns dann gemeinsam über den zweiten Kurzbeitrag im MDR-Fernsehen beim sorbischen Magazin Wuhladko.

https://www.ardmediathek.de/ard/video/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy9jODQxZDY2OS1iZDhhLTQwZTItOTZmMS02OTEwODllNWFmYTM/

Sonntag, Tag des Herrn, Ruhetag.

Wäschewaschen, Hygiene, Essen, Schlafen und Korrespondenz.

Ausblick auf morgen? Wenn das Wetter mitspielt wollen wir vorerst zu viert ins ABC übersiedeln. Während Nele und Philipp sich noch um den restlichen Umzug kümmern fangen Matthias, Elias und Milan in der kommenden Woche an den Eisbruch zu erkunden und sich in Richtung Camp 1 zu orientieren.